Dienstag, 3. November 2026

Prolog im Himmel

 

Zigarrenrauch, All-In und ein Pakt per Handschlag
Klappe zu für den „Prolog im Himmel“!
Hallo ihr Lieben,
„Prolog, die sechzehnte!“ 🎬 Die Klappe schlägt zu, die Kamera von Eugen Schüfftan läuft, und wir befinden uns mitten in der allerersten Filmszene, die mein expressionistisches Trio aus der Garderobe auf die Beine gestellt hat.
Und was für eine Szene das ist! Wer bei Goethes Faust I an einen klassischen, wolkenverhangenen Himmel mit singenden Engelschören denkt, den muss ich enttäuschen. In unserem Film ist der Himmel ein verrauchtes, fensterloses Hinterzimmer, die Luft steht dick vom Qualm feiner Havannas und auf dem Tisch liegt ein gigantischer Haufen Poker-Chips.
Willkommen beim himmlischen No-Limit Texas Hold’em!
Die göttliche Pokerrunde
Ich habe die Spieler an diesem Tisch in meinen expressionistischen Seelenporträts festgehalten. Es sind keine strahlenden Heiligen, sondern Gestalten mit tiefen Schatten und wachsamen, schweren Augen:
  • Meph (Der Teufel): Er kaut auf seiner Zigarre, schimpft über seine „Scheißkarten“ und verliert eine Runde nach der anderen. Er ist ein genialer, arroganter Verführer, der die Vertreibung aus dem Paradies bis heute als „effiziente Beratung“ tarnt.
  • Gabe, Raph und Mike (Die Erzengel Gabriel, Raphael und Michael): In Zivil, unerschütterlich und verdammt gute Zocker. Besonders Raph entpuppt sich als eiskalter Hund, der Meph am Ende mit einem höheren Full House komplett blank spielt.
  • J.C. (Jesus Christus): Er lässt sich vom Teufel nicht provozieren. Er hält sich an die Regeln, trinkt seinen Whisky und vertraut auf das stärkste Werkzeug, das er den Menschen mitgegeben hat: den freien Verstand.
Die Wette um Friedrich Aust
Als Meph all seine Jetons an Raph verloren hat und ihm buchstäblich die Hose brennt, wird das Spiel metaphysisch. Er hat keinen Einsatz mehr. Also bietet er eine menschliche Seele als Wetteinsatz an: Prof. Dr. Friedrich Aust.
J.C. schlägt ein – aber nur unter drei verdammt harten Bedingungen: Aust muss einen Vertrag unterschreiben, er muss schuldig werden und er darf keine Reue zeigen. Per Handschlag wird das Schicksal unseres Professors besiegelt. Der Teufel zieht los, um sich sein Spielzeug zu holen – und rennt vor lauter Gier prompt gegen die falsche Tür.
Das Göttliche versteckt sich im Trivialen
Erinnernd an meinen allerersten Blogbeitrag über die Ouvertüre, in der das Universum ins Stolpern geriet, lüftet J.C. an diesem Pokertisch ein großes Geheimnis. Er offenbart sich nicht im Monumentalen, sondern im Kleinen:
„In einem Hups oder in einem Eisverkäufer, manchmal repariere ich auch Kinoleinwände – man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen.“
Das Spiel um die Seele von Friedrich Aust hat offiziell begonnen. Und die Würfel – oder besser gesagt die Karten – fallen auf der Erde.
Wie gefällt euch diese moderne, verruchte Interpretation des Prologs? Hättet ihr gedacht, dass die Erzengel Meph so schamlos am Pokertisch abziehen? 😉
Eure
Joan W. Theego

Vorspiel auf dem Theater

Stilettos, Zelluloid und Goethe
Mein Vorspiel auf dem Theater
Hallo ihr Lieben,
nach all den philosophischen Schleifen über die Stahlkugel der Zeit wird es jetzt endlich konkret. Wir werfen die Theorie über Bord und treten ein in die verrauchte, gleißende Realität einer Garderobe der 1920er Jahre.
Für diejenigen unter euch, die im Deutschunterricht aufgepasst haben, wird dieses erste Kapitel ein absolutes Fest sein. Ich habe dieses Vorspiel ganz bewusst extrem eng an Goethes Faust I angelehnt.
Wer Goethes Meisterwerk kennt, weiß, dass der Tragödie ein „Vorspiel auf dem Theater“ vorausgeht, in dem ein Direktor, ein Dichter und eine lustige Person darüber streiten, was ein gutes Theaterstück ausmacht. Ich habe dieses klassische Trio genommen und es in die Epoche des großen Umbruchs geworfen – dorthin, wo das sterbende Theater auf die Geburt des Kinos trifft.
Mein expressionistisches Trio des Umbruchs
Ich habe die drei Protagonisten dieses ewigen Streits für euch im expressionistischen Stil gemalt, um ihre Seelen freizulegen:
  • Direktor Klingenstahl (Der Theaterdirektor): Genau wie bei Goethe denkt er ans Überleben und an die Kasse. Er ist pleite, Goldstein gibt keinen Kredit mehr und das Geld reicht noch genau drei Monate. Er will Action, Emotionen und Masse: „Es muss rappeln auf der Bühne!“
  • Der Theaterdichter (Der Dichter): Bleich, melancholisch, den Blick an die Decke geheftet. Er trauert den alten Zeiten hinterher, als die Hüte flogen und die Kunst noch rein war. Er flüchtet vor dem Kommerz – sogar bis auf die Couch von Sigmund Freud.
  • Die Schauspielerin (Die lustige Person): Mit 56 Jahren hat sie ihren Zenit überschritten. Sie bringt die bittere, aber humorvolle Realität des Künstlerlebens auf den Punkt, während die Nivea-Creme ihr Gesicht in eine starre Maske verwandelt.
Vom Theater zum Film: Ein neuer Pakt
Klingenstahl weiß, dass man mit den alten Reimen heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Während das Theater stirbt, spielt Charlie Chaplins The Kid in Übersee Millionen ein. Seine Vision ist monumental: Sie werden die Theaterbühne begraben und einen Film drehen – mit dem visionären Kameramann Eugen Schüfftan.
„Wir machen einen Film. Mit einer Geschichte, die sich durch die Jahrhunderte frisst. (...) Ein Streifzug von der Erde in den Himmel bis tief in die Hölle.“
Spürt ihr es? Das ist exakt Goethes berühmte Formel: „So schreitet in dem engen Bretterhaus / Den ganzen Kreis der Schöpfung aus / Und wandelt mit bedächt’ger Schnelligkeit / Vom Himmel durch die Welt zur Hölle!“ Nur, dass der Vorhang bei mir eine Kinoleinwand ist, die erzittern wird.
Schreib, wie du bist
Klingenstahls Appell an den Dichter ist gleichzeitig mein flammendes Credo an mich selbst beim Schreiben dieses Romans:
„Je mehr du dich verbiegst, desto schlechter wird’s. Es muss aus dir selbst kommen, du musst es fühlen, sehen, spüren. (...) Schreib, wie du bist. Wenn du leise sein willst, dann schreib leise – und wenn du laut sein willst, muss deine Feder brüllen.“
Das Spiel hat begonnen, die Kamera läuft.
Wie gefällt euch diese filmische Transformation des klassischen Faust-Stoffs? Erkennt ihr die Parallelen in den expressionistischen Porträts wieder?
Eure
Joan W. Theego

Zueignung

 

Goethes Faust, ein Blutpakt und Grumpy Cat
Hallo ihr Lieben,
Hand aufs Herz: Wer von euch hat in der Schule Faust gelesen und damals... na ja, absolut gar nichts verstanden? 🤫
Mir ging es genau so. Erst viel später hat es bei mir Klick gemacht. Ich gebe es offen zu: Eine Zeit lang habe ich Faust-Zitate sogar intensiv genutzt, um ein bisschen anzugeben – besonders bei den Damen! Wer lässt sich schließlich nicht gern von ein bisschen Bildungsbürgertum beeindrucken? 😉
Doch irgendwann wurden die Verse zu meinem Lebensmotto. Sie beschreiben das Gefühl, als einfacher Mensch ehrfürchtig vor einer einzigartigen Schöpfung zu stehen.
Warum wir national absolut nichts hinkriegen werden
Dem gegenüber steht Mephistos berühmtes Credo: „Ich bin der Geist, der stets verneint! (...) denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.“
Wenn man sich unsere moderne Welt so ansieht – den Klimawandel, die Kriege, die globalen Krisen –, hat man das Gefühl, wir hätten längst einen kollektiven Pakt mit diesem zerstörerischen Geist geschlossen. Aber ich frage euch: Ist wirklich alles wert, zugrunde zu gehen?
Ich finde: Dieser mit Blut unterzeichnete Vertrag gehört gekündigt!
Und die Sache mit diesem Pakt ist folgende: Wenn wir unsere globalen Probleme wirklich lösen wollen, müssen wir alle an einem einzigen Strang ziehen. Der Teufel lacht sich ins Fäustchen, wenn wir versuchen, die Welt im Alleingang zu retten. Wir werden das national absolut nicht schaffen. Die Krisen unserer Zeit scheren sich nicht um Grenzen. Einem Einzelnen oder einer einzelnen Nation wird diese Kündigung niemals gelingen – dafür ist die zerstörerische Kraft zu mächtig. Aber acht Milliarden Menschen, die global zusammenstehen? Das sollte verdammt noch mal genügen.
Das Experiment und das Malen von Seelen
Die Geschichten und auch die Illustrationen im Buch – wie das Porträt auf Seite 28 – sind mein persönliches Experiment. Ich kokettiere gerne damit, dass es mein allererster Versuch war und die Technik vielleicht zum Lachen anregt. Aber die Wahrheit hinter diesen expressionistischen Werken ist eine andere: Ich wollte keine fotorealistischen Gesichter pinseln. Ich wollte Seelen malen.
Der Expressionismus verzerrt die äußere Realität, um die innere Wahrheit, den Schmerz, das Lauernde und das Kosmische sichtbar zu machen. Wenn ihr Mephs Gesicht betrachtet, schaut ihr direkt in das metaphysische Gefüge unseres kollektiven Seins – und in die Fratze der Bedrohung, die wir nur gemeinsam besiegen können.
Lachen ist über meine Kunst trotzdem erlaubt. Denn obwohl Mephisto behauptet, Gott hätte sich das Lachen abgewöhnt, bin ich felsenfest überzeugt: Gott hat Humor. Sonst gäbe es keine Grumpy Cat. 🐱
Glaubt ihr auch, dass uns der nationale Egoismus direkt in Mephistos Arme treibt? Wie schaffen wir es, als acht Milliarden Menschen endlich an einem Strang zu ziehen?
Eure
Joan W. Theego

Vorwort

Das große Schweigen
Warum man Zeit nicht erklären kann 
Und was am Ende auf uns wartet
Hallo ihr Lieben,
lasst uns heute mal ganz ehrlich miteinander sein. Wir benutzen sie jede Sekunde, wir jagen ihr hinterher und wir messen sie mit hochpräzisen Uhren. Aber wenn mich jemand fragt: „Joan, erklär mir mal ganz konkret: Was ist Zeit?“ – dann stehen wir alle vor einer Wand.
Denn die nackte Wahrheit ist: Man kann Zeit schlichtweg nicht erklären.
Sobald wir es versuchen, flüchten wir uns in Definitionen, die wir mal schnell ergoogeln. Wir sagen, sie sei „allgegenwärtig“ oder „von zentraler Bedeutung“. Aber das sind nur leere Phrasen, um unsere eigene Ratlosigkeit zu überspielen. Am Ende beschreiben wir immer nur, wie Zeit sich anfühlt (mal linear, mal zyklisch, mal schnell, mal langsam) oder wie wir sie messen – aber niemals, was sie eigentlich ist.
Ihr fragt euch jetzt vielleicht: Warum stellt sie überhaupt diese Frage?
Das Bild der Stahlkugel
Weil man die Zeit nicht in logische Worte fassen kann, habe ich für das Vorwort zu Prof. Dr. Friedrich Aust nach einem Bild gesucht, das diese Ohnmacht und Orientierungslosigkeit im Bauch greifbar macht:
Stellen wir uns eine blank polierte Stahlkugel vor, so groß wie die Erde. Auf ihr laufen wir – ohne Orientierung im Dunklen – immer weiter. Kein Anfang. Kein Ende.
Wir tappen im Dunkeln. Und das Einzige, was uns auf dieser runden, glatten Masse bleibt, ist das seltsame Phänomen, dass sich unser eigener Weg irgendwann unweigerlich wieder kreuzt. Dieses plötzliche, intensive Gefühl: Das hier habe ich schon einmal erlebt. Ein Déjà-vu? Oder einfach die logische Konsequenz einer Zeit, die sich im Kreis bewegt?
Die Verbindung zu Meph und dem Finale
Mein lieber Professor Aust ist ein Mann der Wissenschaft. Er will die Welt berechnen und kontrollieren. Zu akzeptieren, dass etwas so Elementares wie die Zeit sich jeder rationalen Erklärung entzieht, bringt sein gesamtes Weltbild ins Wanken.
Und es wird noch unheimlicher: Wenn eine Kraft wie Meph ins Spiel kommt, der ohnehin jenseits sämtlicher Dimensionen operiert, wird die Zeit vollends zum unberechenbaren, kosmischen Spielfeld. Während im Jenseits eine einzige Engelsekunde stolze zehn Erdenjahre dauert und das Universum beim Poker über unser Schicksal verhandelt, rennt uns auf der Erde die Zeit davon.
Und genau hier solltet ihr beim Lesen ganz besonders aufpassen. Ich verrate euch schon jetzt ein großes Geheimnis: Die Zeit wird am Ende des Romans die absolut entscheidende, alles verändernde Rolle spielen.
Wenn sich auf unserer Stahlkugel der Kreis schließt und Anfang und Ende sich in einem einzigen Punkt berühren, wird abgerechnet. Manche nennen diesen Punkt Gott – andere das Ende der Zeit.
Macht euch der Gedanke, dass wir die Zeit niemals ganz verstehen werden, eher Angst – oder empfindet ihr diese ungeklärten Geheimnisse des Universums als befreiend?
Schreibt es mir in die Kommentare und behaltet die Uhr im Auge!
Eure
Joan W. Theego

Ouvertüre

 

Kosmischer Kinosaal und ein Date mit dem Teufel
Willkommen in meiner Ouvertüre
Hallo ihr Lieben,
habt ihr euch schon mal gefragt, wie groß der Schritt vom absolut Göttlichen zum völlig Trivialen ist? Oder ob das Universum sich selbst am Ende vielleicht einfach nicht ganz so ernst nimmt?
Als ich die Ouvertüre zu meinem Roman Prof. Dr. Friedrich Aust geschrieben habe, wollte ich genau dieses Spannungsfeld einfangen. Ich wollte euch nicht einfach nur in eine Geschichte werfen. Ich wollte euch entführen – mitten hinein in die absolute Schwärze, an den Anfang von allem, dorthin, wo eine ungreifbare Stimme flüstert.
Jenseits von Anfang und Ende: Mehr als Alpha und Omega
Wir Menschen neigen dazu, alles in Schubladen zu stecken. Wir brauchen einen Anfang und ein Ende, um nicht wahnsinnig zu werden. Deswegen haben wir Begriffe wie „Gott“ oder „das Nichts“ erfunden. Doch die Stimme in der Ouvertüre bricht aus diesem Korsett aus. Sie ist weniger als der Anfang und mehr als das Nichts – jenseits sämtlicher Dimensionen.
Sie ist mehr als Alpha und Omega. Wenn wir ehrlich sind, sprengt dieser Gedanke unsere menschliche Vorstellungskraft. Was existiert außerhalb der Totalität von allem, was wir kennen? Es ist die absolute Freiheit – oder die absolute Bedrohung.
Wenn das Universum stolpert
Was passiert nun, wenn diese monumentale, raumzeitlose Kraft plötzlich ins Stolpern gerät? Wenn es einen kosmischen Wackelkontakt gibt?
Genau dann bricht unsere herrlich banale, menschliche Realität in das Unendliche ein. Während Gasnebel rotieren und Welten gewoben werden, sitzen wir im Kinosaal und stellen uns die wirklich „existenziellen“ Fragen:
  • „Möchte jemand Eis? Vielleicht mit Erdbeergeschmack?“
  • „Haben wir eigentlich noch genug Milch zu Hause?“
  • Und der korpulente Mann im rotgoldenen Trainingsanzug, der als Kung-Fu-Meister der Kinobestuhlung für Ruhe sorgt.
Wer sitzt da im Halbdunkel?
Es ist genau so, wie es die Zuschauer am Ende auf den Punkt bringen: Vielleicht ist das Göttliche trivial. Oder das Triviale göttlich. Oder eben: Alles nur ein Spiel. Doch ein Spiel braucht immer Mitspieler – und einen Gegenspieler, der im Hintergrund lauert.
Erinnert ihr euch an den Nebenmann mit den raubtierhaften Augen, der sich Popcorn in den Mund steckt und die anderen fixiert? Es ist das Gesicht von Seite 28.
Jetzt, wo ihr die Ouvertüre noch einmal mit diesem Bild vor Augen lest, schließt sich der Kreis, oder? Diese brennenden, roten Augen, die aus den tiefen Schatten und dem blutroten Hintergrund hervorstechen – das ist Meph.
Er sitzt dort nicht zufällig. Er operiert genau wie die Stimme jenseits unserer Dimensionen. Während Prof. Dr. Friedrich Aust noch an seiner Universität sitzt und versucht, die Welt rein rational zu erklären, hat Meph seinen Platz im Publikum längst eingenommen. Die Wette läuft.
In diesem Sinne: Nehmt euch selbst nicht zu ernst, behaltet den Mann von Seite 28 im Auge und vergesst das Atmen nicht.
Eure
Joan W. Theego

Prolog im Himmel

  Zigarrenrauch, All-In und ein Pakt per Handschlag Klappe zu für den „Prolog im Himmel“! Hallo ihr Lieben, „Prolog, die sechzehnte!“ 🎬 Di...