Zigarrenrauch, All-In und ein Pakt per Handschlag
Klappe zu für den „Prolog im Himmel“!
Hallo ihr Lieben,
„Prolog, die sechzehnte!“ 🎬 Die Klappe schlägt zu, die Kamera von Eugen Schüfftan läuft, und wir befinden uns mitten in der allerersten Filmszene, die mein expressionistisches Trio aus der Garderobe auf die Beine gestellt hat.
Und was für eine Szene das ist! Wer bei Goethes Faust I an einen klassischen, wolkenverhangenen Himmel mit singenden Engelschören denkt, den muss ich enttäuschen. In unserem Film ist der Himmel ein verrauchtes, fensterloses Hinterzimmer, die Luft steht dick vom Qualm feiner Havannas und auf dem Tisch liegt ein gigantischer Haufen Poker-Chips.
Willkommen beim himmlischen No-Limit Texas Hold’em!
Die göttliche Pokerrunde
Ich habe die Spieler an diesem Tisch in meinen expressionistischen Seelenporträts festgehalten. Es sind keine strahlenden Heiligen, sondern Gestalten mit tiefen Schatten und wachsamen, schweren Augen:
- Meph (Der Teufel): Er kaut auf seiner Zigarre, schimpft über seine „Scheißkarten“ und verliert eine Runde nach der anderen. Er ist ein genialer, arroganter Verführer, der die Vertreibung aus dem Paradies bis heute als „effiziente Beratung“ tarnt.
- Gabe, Raph und Mike (Die Erzengel Gabriel, Raphael und Michael): In Zivil, unerschütterlich und verdammt gute Zocker. Besonders Raph entpuppt sich als eiskalter Hund, der Meph am Ende mit einem höheren Full House komplett blank spielt.
- J.C. (Jesus Christus): Er lässt sich vom Teufel nicht provozieren. Er hält sich an die Regeln, trinkt seinen Whisky und vertraut auf das stärkste Werkzeug, das er den Menschen mitgegeben hat: den freien Verstand.
Die Wette um Friedrich Aust
Als Meph all seine Jetons an Raph verloren hat und ihm buchstäblich die Hose brennt, wird das Spiel metaphysisch. Er hat keinen Einsatz mehr. Also bietet er eine menschliche Seele als Wetteinsatz an: Prof. Dr. Friedrich Aust.
J.C. schlägt ein – aber nur unter drei verdammt harten Bedingungen: Aust muss einen Vertrag unterschreiben, er muss schuldig werden und er darf keine Reue zeigen. Per Handschlag wird das Schicksal unseres Professors besiegelt. Der Teufel zieht los, um sich sein Spielzeug zu holen – und rennt vor lauter Gier prompt gegen die falsche Tür.
Das Göttliche versteckt sich im Trivialen
Erinnernd an meinen allerersten Blogbeitrag über die Ouvertüre, in der das Universum ins Stolpern geriet, lüftet J.C. an diesem Pokertisch ein großes Geheimnis. Er offenbart sich nicht im Monumentalen, sondern im Kleinen:
„In einem Hups oder in einem Eisverkäufer, manchmal repariere ich auch Kinoleinwände – man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen.“
Das Spiel um die Seele von Friedrich Aust hat offiziell begonnen. Und die Würfel – oder besser gesagt die Karten – fallen auf der Erde.
Wie gefällt euch diese moderne, verruchte Interpretation des Prologs? Hättet ihr gedacht, dass die Erzengel Meph so schamlos am Pokertisch abziehen? 😉
Eure
Joan W. Theego
Joan W. Theego
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